Es gab keine Friedensbewegung, die den Krieg hätte aufhalten können. Es gab innerhalb Jugoslawiens keine nennenswerten Organisationen, die nicht im Einklang mit dem Staatssysten gestanden hätten
Als das System zerfiel, gab es auch keine Kräfte, die Alternativen hätten anbieten können.
Es gab einzelne Versuche, den Staat zu retten wie das gescheitertes Projekt zur Einführung in der freien Marktwirtschaft von Ministerpräsident Ante Markovic.
Es gab eine große Erwartung auf finanzielle Hilfe aus dem Ausland; und von dort sollte auch der Krieg verhindert werden.
Die Friedensbewegungen haben es bis heute nicht geschafft, über die Grenzen der neu entstandenen Nationalstaaten eine gemeinsame tragende Organisation aufzubauen.
Die Bewegung der Mütter aus allen Teilen des ehemaligen Jugoslawiens, die vor dem Ausbruch der bewaffneten Auseinandersetzungen, im Mai 1991, versuchten in Belgrad mit den Generälen zu sprechen um zu verhindern, daß ihre Kinder als Angehörige der jugoslawischen Volksarmee in einen Krieg eingezogen werden. Ohne eigene Erfahrung und ohne Unterstützung durch friedenstiftende Kräfte aus dem Ausland konnte sich diese Gruppe nicht halten. Teilweise wurde sie später von nationalistischen Führern zu Propagandazwecken mißbraucht.
An vielen Orten sind kleinen Organisationen entstanden, als Antwort auf Kriegspropaganda und den eingeleiteten Krieg. Sie wirkten regional, zunächst um Hilfen zu organisieren, aber an vielen Orten sind sie durch Vernetzung mit internationalen Organisationen zu einem Potential gewachsen, das politisch nicht mehr ignoriert werden kann. Frauenorganisationen haben sich dabei besonders hervorgetan (Medica mondiale in Zenica, Frauen in Schwarz in Belgrad, Frauenorganisationen in Zagreb).
Berlin, den 22 September 1997
Bosiljka Schedlich
Geschäftsleitung