südost Europa Kultur e.V wurde 1991 als Verein zur Förderung deutsch–südosteuropäischer Kulturbeziehungen gegründet. Damals wurde der Dialog zwischen den Volksgruppen aus dem ehemaligen Jugoslawien wie auch aus anderen südosteuropäischen Ländern immer schwieriger und die Konflikte innerhalb der Heimatstaaten griffen auf die in Berlin lebenden Bürger über.
Vor diesem Hintergrund hat der Verein sich zum Ziel gesetzt, ein Forum zu sein für vielfältige Formen des Austauschs und die Entwicklung von Perspektiven für ein friedliches Zusammenleben. Dies kann und soll auch auf die Situation und die Diskussion in den Heimatländern ausstrahlen. Um einen derart national-übergreifenden und integrativen Dialog zu erreichen, wendet sich der Verein mit seinem Programm und seinen Aktivitäten an unterschiedliche Zielgruppen und ist bemüht, auf die spezifischen Wünsche, Bedürfnisse, Erwartungen und Interessen der nationalen Gruppen einzugehen.
Der Verein will einen Beitrag leisten zum Bau von Brücken zwischen der Kultur, in der wir leben, also der Kultur Berlins bzw. Deutschlands, und der Kultur jener Region, die uns nahe ist und aus der einige von uns stammen - Südosteuropa. Das sind Brücken zwischen zwei buntgemischten Gebieten: Berlin und der Balkan. Berlin mit seinem Kreuzberg, wo sich Türken und Alternative so gut verstehen, Berlin mit den Studenten aus der ganzen Welt, mit Asylsuchenden - und der Balkan mit Albanern, Rumänen, Serben, Kroaten, Bulgaren, Griechen, Muslimen, Mazedoniern und Zinzaren, Ruthenen, Slowaken, Deutschen und Russen, mit Dörfern, in denen bis zu zwanzig verschiedene Nationalitäten zusammenleben. Wir wollen auch Brücken bauen zwischen Frauen und Männern, zwischen Kindern und Erwachsenen, zwischen Jungen und Alten, Mächtigen und Randgruppen.
Seit 1992 wurde das südost Zentrum zu einem Treffpunkt aller kulturellen Kräfte, die im europäischen Kontext gemeinsam über nationalistische Propaganda aufklären und ihr wirksam entgegentreten. Die Förderung und Entwicklung von Toleranz und Verständigung zwischen den unterschiedlichen nationalen und religiösen Gruppen ist für den Frieden von größter Bedeutung. Der damals eskalierende Krieg im ehemaligen Jugoslawien verdeutlichte dies schmerzlich. Er verstärkte unsere Energien, etwas Konstruktives zu tun.
Während der Kriege im ehemaligen Jugoslawien und in den ersten Jahren danach bestand das vorrangige Ziel der Arbeit im südost Europa Kultur e.V. darin, Kriegsflüchtlingen aus Kroatien, Bosnien-Herzegowina und dem Kosovo, deren Kriegserfahrungen häufig zu schwerem psychischen Leiden führten, verschiedenartige Möglichkeiten zu bieten, im Austausch mit anderen für sich und ihre Familien eine neue und lebenswerte Perspektive zu entwickeln. Das war in Berlin recht schwierig. Flüchtlinge durften nicht arbeiten, sie konnten keinen Beruf erlernen, sie mussten in beengten Wohnheimen leben. Sie sollten in ihre Heimat zurückkehren, obwohl die Situation dieses größtenteils noch nicht erlaubte.
Kritik der Deutschen Flüchtlingspolitik war notwendig. Die Zusammenarbeit mit vielen anderen Organisationen und Einrichtungen begann und eine große Öffentlichkeit wurde hergestellt. Fach- und Mittelschulen wurden eingerichtet, die Arbeit mit Traumatisierten wurde aufgebaut - beides mit viel Engagement und fast ohne Mittel.
Seit 1997 wirkte der Verein auch direkt in Südosteuropa. Die Arbeit zielt auch dort vorrangig darauf, Foren für einen Austausch zu schaffen, in dem Perspektiven für ein friedliches Zusammenleben entwickelt werden können. An vier Orten (Novi Grad/Bosanski Novi, Teslić, Odžak und Bijeljina) wurden Büros für Menschenrechte und Demokratie eingerichtet, die von dem Verein PONS weitergeführt werden, dessen Mitglieder ehemalige Mitarbeiter des südost-Zentrums sind. südost ist nach wie vor in Bijeljina und zusätzlich in Živinice mit dem Projekt Schule für Roma-Kinder aktiv.
In Berlin werden bei südost vielfältige kulturelle Veranstaltungen durchgeführt und zahlreiche Projekte verfolgt, deren Schwerpunkt auf der Integrationsarbeit liegt (z.B. Deutsch- und Alphabetisierungskurse und Interkultureller Garten „Šerbe“/Rosenduftgarten).